Dinkel (triticum spelta) ist eine mit dem Weizen verwandte Getreideart, die seit Tausenden von Jahren angebaut wird. Früher wurde Dinkel recht häufig kultiviert, allerdings ging der Anbau Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der Konkurrenz rentablerer Getreidearten zurück. In jüngster Zeit stieg das Interesse an Dinkel wieder, da man weiß, dass er deutlich gesünder als andere Getreidesorten ist. Dinkel verfügt über eine feste, mehrschichtige Hülle, die das Korn hervorragend vor Verunreinigungen schützt. Dinkel ist das wertvollste unter den Spelzgetreiden. Als hexaploider Weizen hat Dinkel 42 Chromosomen in 3 Sätzen zu je 14 Paaren, während Hartweizen beispielsweise ein tetraploider Weizen mit 28 Chromosomen (2 x 14) ist.
 
Dinkel stammt ursprünglich aus der Gegend des heutigen Iran, wo er wohl bereits um 6000-5000 v. Chr. angebaut wurde. Erst etwa 4000 Jahre später kam der Dinkel nach Europa. Im Mittelalter war Dinkel neben Hirse, Emmer und Gerste eine der wichtigsten Getreidesorten in Nordeuropa. Wir Finnen glauben, dass alle großen Heldentaten unserer Nation der Macht des Roggen zuzuschreiben sind, aber vielleicht wären wir eine noch größere Nation, hätten wir mehr Dinkel gegessen. Die Erfolge der ägyptischen Pharaonen, von Alexander dem Großen und den römischen Armeen sollen alle ihre Ursache im Dinkelbrot haben. Eben diese Ernährungsweise verlieh auch den jungen Olympioniken der Antike ihre Leistungsfähigkeit. Die heilige Hildegard von Bingen, eine Ordensfrau, die im Mittelalter lebte, war eine berühmte Heilerin, die auf Dinkel als die beste Medizin bei allerlei Krankheiten schwor: "Wer Dinkel isst, wird ein gutes Fleisch und gutes, gesundes Blut sowie ein glückliches
Gemüt und einen fröhlichen Geist haben.“ Die herausragendste Stärke von Dinkel mag jedoch sein außergewöhnlicher,
leicht nussiger Geschmack sein, nach dem man leicht „süchtig“ werden kann.
 
Botanisch gesehen unterscheiden sich Dinkel und Weizen nur durch ein Gen. Der visuelle Unterschied liegt in der Ähre: Die Weizenkörner sind mit der Ährenspindel verbunden, während die Dinkelähre aus Ährchen besteht, an denen die Samenkörner sitzen. Beim Dreschen bricht die Dinkelähre in Stücke oder in Ährchen, in denen die Körner fest in ihren Schalen liegen. Wie beim Weizen gibt es beim Dinkel Winter- und Sommersorten, aber nur der Winterdinkel ist aufgrund seines
Wachstumszyklus für Nordeuropa geeignet.
In der Küche kann Dinkel für alle Speisen und Backwaren verwendet werden.
 
Dinkel hat 20-30 % Schalenanteil und muss für die Verwendung in der Mühle geschält werden. Mühlen, die große Mengen Dinkel verarbeiten, haben dafür extra Mahlsteine oder Trommelschäler. Im Privathaushalt kann man das Schälen zum Beispiel mit einer traditionellen Mühle mit Steinmahlwerk ausführen. Schälmühlen für Hafer sind zu grob für Dinkel, da der Verlustanteil durchaus bis zu 70 % betragen könnte. Mit einigen kleinen Veränderungen können diese jedoch verwendet werden.